Udo Bünnagel

Alte Akademie – Plädoyer für eine ausgewogene, gute städtebauliche und denkmalpflegerische Lösung

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Die Alte Akademie und die St. Michaelskirche in der Fußgängerzone sind die ersten Bauten der Renaissance nördlich der Alpen. Sie bilden ein Ensemble. Dies zu erhalten, bzw. es wieder herzustellen und sie nicht dem Kommerz preis zu geben, sollte unser aller Ziel sein. Anders der bayerische Staat, der dieses „Tafelsilber“ wie auch den „Alten Hof“ wieder zu Geld machen wollte und es an einen österreichischen Investor für 65 Jahre verpachtet hat.

Um wenigstens eine Mitsprache bei Nutzung und baulicher Gestaltung zu haben, hat die Stadt für dieses Areal einen Aufstellungsbeschluss für einen Bebauungsplan aufgestellt und Vorgaben für die Nutzung gemacht.

Statt der bisherigen Büronutzung des Statischen Landesamtes sollte nunmehr eine Mischung aus Büros, Läden, Gaststätten und Wohnen und die Öffnung des bisher nicht zugänglichen Innenhofes Grundlage für einen Architekten-Wettbewerb sein. Eine kulturelle Nutzung wie sie ganz früher entsprechend dem Namen Alte Akademie vorhanden war, ist nicht mehr gewollt und vorgesehen.

Der erste Preisträger, Morger Partner Architekten aus Basel, hat auf Grundlage der ausgeschriebenen Vorgaben vorgeschlagen, die 1955 von Architekt Wiedemann im Kopfbau der Alten Akademie eingefügte Passage zu entfernen und so die ursprüngliche, historische Gebäudestruktur und Gebäudefassade zur Neuhauser Straße wieder herzustellen. Mit diesem Vorschlag hat wieder einmal ein Schweizer Architekt, wie nach 1945 schon der Schweizer Architekt Tino Walz(*) bei Residenz und Siegestor, dazu beigetragen, ein Münchner Baudenkmal wiederherzustellen, ja es zu erhalten. Keiner der deutschen Wettbewerbsteilnehmer hatte hierzu den Mut oder die Sensibilität. Respekt!

Der an dieser Stelle in den 1950er Jahren vorhandene Engpass mit Tram, PKW-Verkehr und Fußgängern, der wesentlich zur Planung der Passage beitrug, ist jetzt bei der Fußgängerzone nicht mehr vorhanden. Nun können die denkmalpflegerischen Aspekte, den ihnen gemäßen Stellenwert bei der Neugestaltung gegenüber den damals wichtigeren verkehrlichen Bedingungen wieder einnehmen.

Stadtplanung erfordert immer das Abwägen vieler Einzelaspekte, ganz gleich, ob es sich um ein neu zu planendes Gebiet oder wie im Falle der Alten Akademie um einen vorhandenen Bestand handelt. Zu berücksichtigende Aspekte der Stadtplanung sind: die Vorgaben der Kommune hinsichtlich Art und Maß der Nutzung, die räumlich, gestalterischen Aspekte, die verkehrlichen Rahmenbedingungen, die denkmalpflegerischen Aspekte und die landschaftsplanerischen und rechtlichen Grundlagen.
Die einzelnen Aspekte werden entsprechend nach Planungsgebiet und Aufgabenstellung zu wichten sein. Wenn aber eine ausgewogene städtebauliche Lösung angestrebt wird, darf kein Teilaspekt andere dominieren. Bei wesentlichen Änderungen von Einzelaspekten muss des-halb die vorhandene städtebauliche Lösung überprüft und neu überdacht werden. Rechtliche Festlegungen sind immer nur Hilfsmittel, um städteplanerische, gestalterische Vorstellungen zu sichern. Sie dürfen niemals Selbstzweck sein. So ist der bestehende, rechtsgültige Bau-linienplan von 1957 zu überprüfen, ob er den nun gewollten gestalterischen Intentionen dient oder ob er entsprechend geändert werden muss.
Die strittige Frage, ob der bisher bestehende öffentliche Raum der Passagen im Kopfbau der Alten Akademie und in den „Hettlage-Passagen“ privatisiert werden darf, d.h. ob er dem öffentlichen Raum entzogen und dem Investor „geschenkt“ wird, wie behauptet wird, oder heutigen Vorgaben entsprechend zu einer anderen Lösung führen soll, kann nur und muss die Stadt, der Stadtrat entscheiden.

Hier sollte der Wettbewerbsentwurf von Morger Partner eine Entscheidungshilfe sein. Wie geplant sollte der Kopfbau der Alten Akademie wieder geschlossen werden, also ohne Passage, und einen Ausstellungsraum erhalten, wobei der Anteil der jetzigen Passage öffentlich zugänglich sein sollte. Eine ständige Ausstellung mit Videos, Bildern und Karten über Geschichte und Bedeutung der Alten Akademie als Ort der Renaissance, die eine Rückbesinnung auf die antiken Wurzeln unserer Kultur ist, und als Ort der Gegenreformation in Bayern wäre denkbar. Hier ist dann der Freistaat gefordert. Um auch lebendig für Jüngere zu sein, warum nicht auch mit einer „italienischen Espresso-Stehbar“, der andere Teil des Kopfbaus sollte Ausstellungshalle, Kunsthalle oder Ort für Veranstaltungen sein.

Die „Hettlage-Passagen“ an der Neuhauser Straße und der Kapellenstraße müssen erhalten bleiben. Sie sind Teil des Entwurfes von Wiedemann. Ob reduzierter oder mit der jetzigen Breite, hier ist ja dann kein Durchgangsverkehr mehr, sollte abgewägt werden, denn letztlich wird der jetzt geschlossene Schmuckhof der Alten Akademie ja dann zusätzlich öffentlicher Raum, sozusagen als Ausgleich.

Um dies auch festzuschreiben, sollte der Aufstellungsbeschluss ernst genommen werden. Denn nur ein Bebauungsplan und ein entsprechender städtebaulicher Vertrag kann dies juristisch einwandfrei sichern. Ob ein einfacher Baulinienplan ausreicht, scheint ungewiss. Nach BauGesetzBuch (BauGB) wäre § 13a BauGB – Bebauungspläne der Innenentwicklung – das geeignete Instrumentarium. Dieser Bebauungsplan darf im beschleunigten Verfahren und ohne Umweltprüfung durchgeführt werden. Die zeitaufwendigen Verfahrensschritte eines normalen Bebauungsplanes würden somit entfallen, aber:

Die Öffentlichkeit und wesentliche Träger öffentlicher Belange wären eingebunden, zumal alle Festsetzungen juristisch einwandfrei und nachvollziehbar begründet werden müssen. Transparenz fördert Akzeptanz! Eine intransparente Absprache zwischen Verwaltung, Stadtspitze und Investor dürfte dem Misstrauen, ja dem Ohnmachtsgefühl vieler Bürgerinnen und Bürgern sowie den Medien Vorschub leisten. Selbst der Stadtrat blieb außen vor.

Würde der Entwurf Morger und Partner in der Form umgesetzt mit Ausstellungshalle, öffentlichem Schmuckhof und dem Platz vor der Alten Akademie mit Richard-Strauß-Brunnen als Oase der Ruhe neben dem geschäftigen Strom der Passanten in der Neuhauser Straße, wäre es eine win-win Situation für alle, die Stadt, die Stadtgesellschaft und für den Investor.

Udo Bünnagel

(*) Neben Tino Walz haben besonders Prof. Rudolf Esterer (TH München), sowie Otto Meitinger und Toni Beil sich wesentlich für den Wiederaufbau der Residenz eingesetzt.

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