ENEV 2016 – sind wir auf dem richtigen Weg?

Stuart Stadler Archiv

ENEV 2016

Ökostrom wird in Texas heute schon verschenkt. bei öffentlichen wie auch privaten Gesprächen über erneuerbare Energien gibt es vor allem Diskussionen um Zwischenlösungen. Dämmen was das Zeug hält –


Stromtrassen zur Verteilung von Strom – überirdisch – unterirdisch – Denkmäler, die energetisch verändert werden – Wohnhäuser, bei denen zum Lüften nicht mehr die Fenster geöffnet werden können. Sind diese Lösungen langfristig sinnvoll?


+ Hier geht es zur Einschätzung der VfA zur ENEV 2016

 

Ökostrom wird in Texas heute schon verschenkt!

Sind wir mit der EnEV 2016 auf dem richtigen Weg?

Bei öffentlichen wie auch privaten Gesprächen über erneuerbare Energien gibt es vor allem Diskussionen um Übergangslösungen.

Dämmen was das Zeug hält – Stromtrassen zur Verteilung von Strom – überirdisch – unterirdisch – Denkmäler, die energetisch verändert werden – Wohnhäuser, bei denen zum Lüften die Fenster nicht mehr geöffnet werden können. Sind diese Lösungen langfristig sinnvoll?

Wir leben heute in einer Zeit der überwiegenden Nutzung fossiler Brennstoffe und bewegen uns in ein neues Zeitalter der Speicherbarkeit co2-neutral erzeugten Stroms.

Auf diesem Weg erleben wir einen zum Teil sehr aufwendigen und wenig nachhaltigen Aktionismus mit baulich fragwürdigen Kompromissen.

Eine weitere Verschärfung der Energieeinsparverordnung wäre ohne jeden Zweifel der richtige Weg, wenn nicht die angestrebten Lösungen eine umfassende Gesamtbetrachtung verhindern würden.

Man muss kein Wirtschaftsnobelpreisträger wie Paul Krugmann sein, um zu erkennen, dass die „Rettung des Klimas billig wird“. Man kann sich höchstens fragen, warum es erst heute geschieht.

Was ist passiert, wenn in Texas soviel Ökostrom produziert wird, dass er nachts verschenkt wird? Energie beginnt im Überfluss zur Verfügung zu stehen! Sobald nachhaltig erzeugter Strom auch noch gespeichert werden kann und das über Monate, werden wir zwar nahezu umsonst heizen können aber weiterhin die Kosten für eine nunmehr teilweise überflüssige Infrastruktur tragen. Durch die kurze Lebensdauer von Fassadendämmungen entstehen jetzt schon Bauschäden mit den entsprechenden Folgekosten.

Eine Studie der Wiesbadener Wohnbaugesellschaft vergleicht in der Praxis den Verbrauch von Passivhäusern und Niedrigenergiehäusern. Das Ergebnis ist ernüchternd. “Den um 13% höheren Baukosten, die für ein Passivhaus aufgewendet werden müssen, stehen bislang kaum messbare Einsparungen bei den Betriebskosten gegenüber”, zieht GWW-Geschäftsführer Hermann Kremer kritische Bilanz nach der ersten Heizsaison. “Der Stromverbrauch der beiden Passivhäuser ist sogar deutlich höher als bei den EnEV-Häusern.”

Wenn nun aber mehr Dämmung nicht mehr Nutzen bringt, stellt sich die Frage, wie der Weg in die Zukunft, in der „die Rettung des Klimas billig wird“, beschritten werden kann.

Bei einer Podiumsdiskussion der bayerischen Architektenkammer mit der Staatsministerin für Energie und Technologie Ilse Aigner zur Energiewende  Anfang November dieses Jahres stellten Mitglieder der Arbeitsgruppe Nachhaltigkeit und Energie der Architektenkammer Bayern nachvollziehbare Forderungen zur Ergänzung der EnEV:

Einbeziehung der grauen Energie bei der Beurteilung zur Förderung von Baumaßnahmen.

Einführung einer Co2 Steuer als Mittel zur nachhaltigen Steuerung von Investitionen auch in der Bauwirtschaft

Fördern statt Fordern ist das Prinzip des Staates. Dies ist sicherlich ein guter Weg. Was aber gefördert wird, sollte jedoch immer wieder neu auf den Prüfstand gestellt werden.

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