Lutz Heese Kadidatur Landtagswahlen Bayern 2018

HOAI – Quo vadis?

Redaktion HOAI, Kammer, VfA Bayern

War das EUGH Urteil gegen die Bundesrepublik Deutschland das Ende verpreister Honorare für Architekten und Ingenieure?
Meiner Auffassung nach im Moment und möglicherweise in bestimmten Fällen sogar rückwirkend : LEIDER JA, In Zukunft : HOFFENTLICH NEIN
Diese Einschätzung fußt auf der unerwarteten Begründung des Urteils. Danach ist der bislang bestrittene Zusammenhang zwischen Preis und Qualität jetzt überraschend unstreitig gestellt.

Die EU-Rechtswidrigkeit wird nun im wesentlichen mit der inkonsequenten, weil nicht auf alle Leistungserbringer erstreckten Anwendung der HOAI begründet. In der Tat hatten die Vertreter der Architekten und Ingenieure schon vor langer
Zeit ein Berufsausübungsrecht gefordert, wie es zum Beispiel unter anderen für Ärzte, Notare und Rechtsanwälte gilt, mit der Folge, dass nur die jeweiligen Berufsstandsträger dieser Berufe die dort verpreisten Leistungen ausüben dürfen. Hier besteht nun Nachholbedarf ! Ich hoffe sehr, dass der Verordnungsgeber dies aufgreift und es zu einer ähnlich konzertierten Vorgehensweise kommt wie es bei den beiden erfolgreichen HOAI Novellen von 2009 und 2013 der Fall war. BAK, BIngK und AHO sind nun erneut gefordert, dem Verordnungsgeber zur Verfügung zu stehen.

Darüber hinaus besteht aber nach wie vor auch auf europäischer Ebene Handlungsbedarf. Gerade das jetzt vorliegende EUGH Urteil liefert paradoxerweise dafür die Begründung, denn der bestätigte Zusammenhang zwischen Preis und Qualität erfordert nun Aufklärung und Abstimmung im Sinne von Verbraucherschutz durch europaweit sinnvolle Verpreisung unserer Honorare. Es gibt also neben den rund um das Urteil natürlich auch erforderlichen praktischen Aufklärungen und Handreichungen ziemlich viel Grundlegendes in Angriff zu nehmen ! Dafür wünsche ich allen Beteiligten Kraft und eine glückliche Hand,

Ihr
Lutz Heese
Langjähriger stellvertretender Vorsitzender AHO,
Ehrenpräsident der Bayerischen Architektenkammer


Lutz Heese hat von 2003 bis 2016 der Bayerischen Architektenkammer als Präsident gedient. In seine Amtszeit fielen bedeutende Entwicklungen der Kammer und des Berufsstandes, wie zum Beispiel der Ausbau der Regionalisierung, die Verstärkung der Wahrnehmung der Kammer in der Öffentlichkeit, die Einführung der gemeinsamen Liste Stadtplaner sowie nachfolgend der Liste Stadtplaner in der BYAK, der Ausbau der Zusammenarbeit von Architekten und Ingenieuren im AHO und nicht zuletzt die beiden HOAI Novellen 2009 und 2013.