In 30 Jahren von Basics zu BIM Ein kompletter CAD-Systemwechsel – wie geht das?

Alexander Schwab Technologie und Forschung, VfA, VfA Bund 0 Comments

Es ist immer aufregend, ein Pionier zu sein. Und das war ich, als ich 1983 mit gerade einem Jahr Berufserfahrung das erste Projekt mit CAD gezeichnet habe. Es gab ein Graphiktablett, auf dem alle Funktionen mit einem verkabelten Stift angeklickt werden konnten, der Bildschirm hatte die Größe eines DIN A 5-Blattes und auf der Festplatte konnte man 1 MB speichern. Das blieb natürlich nicht so. Schritt für Schritt wurde das Programm, das einmal Microway hieß und mit Basics programmiert worden war, weiterentwickelt, bis man damit schließlich gut in 3-D zeichnen konnte.

Es war ein langer Weg, in dessen Verlauf wir sehr große Projekte mit diesem Programm gezeichnet haben. Aber es gab immer mehr Widerstände, gerade der jungen Mitarbeiter, die frisch von den Hochschulen kamen, von Elite-CAD noch nie etwas gehört hatten und an ganz andere Möglichkeiten und Systematiken aus dem Studium gewöhnt waren. Die älteren Mitarbeiter wiederum klebten am 2-D-Zeichnen und machten das Programm dafür verantwortlich, dass sie nicht in 3-D zeichnen wollten. Schließlich war das Thema BIM mit seinen neuen Möglichkeiten fast von einem Tag auf den anderen in aller Munde. Wir mussten etwas tun. Aber was sprach nicht alles gegen einen Umstieg auf ein neues, weiter verbreitetes Programm:

  • Die großen Investitionskosten in Hard- und Software und die Ausbildung der Mitarbeiter bei 11 Arbeitsplätzen
  • Der Verlust von Effizienz in der Einarbeitungsphase von mindestens einem halben Jahr
  • Die vorhandene Möglichkeit der verlustfreien Weiterbearbeitung von im alten Programm gezeichneten Plänen bei einer sehr großen Zahl von Projekten
  • Die Angst vor neuen, noch nicht bekannten Problemen mit einem so hochkomplexen Programm

Aber es sprach auch vieles dafür:

  • Das Arbeiten im 3-D-Modell war vorher nur einem Mitarbeiter allein möglich; mit dem neuen Programm können über „little BIM“ wieder mehrere Mitarbeiter gleichzeitig an einem Gebäude arbeiten
  • Das neue Programm ist kein „Exot“, so dass man leichter Mitarbeiter findet, die mit dem Programm vertraut sind und vom ersten Tag an produktiv damit arbeiten können
  • Viele zeitaufwendige, mühselige und fehlerträchtige Arbeiten wie Flächen- und Massenermittlungen sind automatisiert.
  • Bei Vergabeverfahren oder Bauherren, die BIM verlangen, könnten wir uns nun wieder bewerben
  • Wegen der vielen Anwender wird das Programm ständig weiterentwickelt und verbessert
  • Es gibt eine funktionierende, immer besetzte Hotline und immer wieder die Möglichkeit der Fortbildung der Mitarbeiter

Die Lösung lag schließlich in der Nutzung des richtigen Augenblicks.

Als wir durch Pensionierung eines und der Verselbständigung von zwei weiteren Mitarbeitern vorübergehend nur 6 CAD-Arbeitsplätze benötigten, haben wir den Schritt gewagt und sind von Elite-CAD zu ArchiCAD gewechselt. Im Hinterkopf hatte ich, dass wir ja nach wie vor 11 Lizenzen des alten Programms hatten und damit jederzeit unsere alten Daten bearbeiten könnten. Weit gefehlt!
Es dauerte kaum 1 Monat, dann wollte niemand mehr mit dem alten Programm arbeiten. Damit war das Thema Akzeptanz jedenfalls gelöst.
Finanziell lag die Lösung in einer kompletten Umstellungen von Hard- und Sofware auf Leasing.
Was uns blieb, war die Umstellungsphase. Da kam uns eine Zeit mit kleineren Aufträgen entgegen, so dass unsere geringere Produktionsleistung von außen nicht wahrgenommen wurde.

Heute, nach gut 1,5 Jahren bin ich heilfroh, dass wir diesen Schritt gegangen sind. Eine Rückkehr zu unserem alten Programm ist unvorstellbar. Es ist ein Gefühl, als hätten wir die alte Welt mit der Santa Maria verlassen, den Atlantik überquert und genießen nun die Segnungen der neuen Welt.

Alexander Schwab
Vizepräsident

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