Alexander Schwab Landesgeschäftsführer der Vereinigung freischaffender Architekten Deutschland - Landesgruppe Bayern

Thementag: 4 Wände ein Luxus?

Alexander Schwab Aktuelles, VfA Bayern 1 Kommentar

Sehr geehrte Damen und Herren,

gerne komme ich Ihrer Aufforderung nach, meine Meinung zu Ihrem Thementag vom 10. Juli und insbesondere dem Interview mit Herrn Staatsminister Reichart zu äußern.

  1. Dachgeschossausbau genehmigungsfrei stellen:
    Unabhängig vom Thema 1. und 2. Rettungsweg aus Dachgeschosswohnungen, das immer gelöst werden muss, scheitert der Dachgeschossausbau leider oft am Thema Stellplätze. Obwohl bereits jetzt Art. 47 der BayBO vorgibt, dass Stellplätze abgelöst werden können müssen, wenn sonst der Dachgeschossausbau zu Wohnungen erheblich erschwert oder verhindert werden würde, können Gemeinden im Rahmen ihrer Planungshoheit eigene Ortssatzungen und Stellplatzsatzungen erlassen, die diese Ablöse nicht zulässt oder nur in bestimmten Gemeindeteilen.

    Hier müsste Landesrecht über Ortsrecht gestellt werden.

  2. Größere Dichte zulassen, z.B. durch Aufstockungen
    Diese Frage berührt unmittelbar das Abstandsflächenrecht, das in Bayern immer noch sehr kompliziert ist. Hier sollte als Regelabstand die halbe Wandhöhe eingeführt werden, was Kommunen im Rahmen ihrer Planungshoheit und im Rahmen von Bebauungsplänen an ihre besondere Situation anpassen könnten. Momentan gilt in Bayern durch Art. 6 Abs. 7 BayBO die umgekehrte Situation, von der Kommunen aber so gut wie keinen Gebrauch machen. Im Gegenteil. Durch die Verschärfung ihrer Stellplatzsatzungen versuchen viele Kommunen zur Zeit die Nachverdichtung zu erschweren.

    Kommunalpolitiker werden nun einmal nicht von denen gewählt, die zuziehen wollen, sondern von denen, die schon da sind – und die wollen keine Nachverdichtung! Deshalb stellt sich die grundsätzliche Frage, ob der Planungshoheit der Gemeinden, die nach wie vor eine „heilige Kuh“ zu sein scheint, nicht gewisse Grenzen im Sinne einer gesamtgesellschaftlichen Verantwortung gesetzt werden müsste.

  3. Förderung von Aufstockungen durch bessere steuerliche Abschreibung
    Dieser Vorschlag ist ausdrücklich zu begrüßen, da der sparsame Umgang mit Grund und Boden im öffentlichen Interesse liegt. Die sog. Denkmalabschreibung in ähnlicher Höhe hat sich als sehr probates Mittel bewährt, um den Zustand unserer denkmalgeschützten Häuser auf ein hohes Niveau zu heben.
    Allerdings stellt die Privatisierung des Wohnungsbestandes eine große Hürde dar, da nach einer Umwandlung in Wohnungseigentümergemeinschaften es keine Möglichkeit mehr gibt, diese Gebäude aufzustocken.

    Deshalb muss bei Wohnungsbestandshaltern dafür geworben werden, diese Potentiale rechtssicher auszuschöpfen, bevor – wenn überhaupt – diese Wohnanlagen aufgeteilt und die Wohnungen verkauft werden.

Viele Grüße

Alexander Schwab
Dipl.Ing. Architekt und Stadtplaner VfA
Landesgeschäftsführer der Vereinigung freischaffender Architekten Bayern

Kommentare 1

  1. Dachgeschossausbau genehmigungsfrei stellen?

    Gerne, wenn durch eine Anzeigepflicht gewährleistet wird, dass die Unteren Denkmalschutzbehörden den Fall auf Schutzeigenschaft hin überprüfen können.
    Andernfalls besteht die Gefahr, dass wir zukünftig um viele originäre Gaubenlandschaften ärmer werden, weil Bauherr und Planer im schlimmsten Fall immer behaupten werden, dass sie von einer Schutzwürdigkeit nichts wussten und zugunsten lichtdurchfluteter Lofts für vorauseilenden Abriss gern ein Bußgeld zahlen…
    Wie dreist hier teils vorgegangen wird – trotz Kenntnis des Schutzes – zeigt eindrucks- wie trauervoll das aktuelle Münchner Beispiel Uhrmacherhäusl.
    Leider also wieder so ein bürokratischer Ja-aber-Fall. Aber gut gemeint ist eben noch nicht gut gemacht. Ohne eine gewisse Reglementierung lässt sich auch bei der durchaus sinnvollen Antragsfreistellung unser gebautes kulturelles Erbe nicht nachhaltig schützen.

    Hanns Michael Küpper, stellv. Heimatpfleger der Stadt München

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